Das Dach von María José Aguilar Gutiérrez

Azotea ist ein Wort arabischen Ursprungs, das wir als das Dach oder Flachdach eines Gebäudes bezeichnen. Ein offener Bereich, begehbar, wo man gehen kann.

In jenen Orten die den Großteil des Jahres in einem sonnigen Klima wie in Andalusien, Südspanien gelegen sind, ist es Gewohnheit und Gebrauch dass die Bewohner das Dach genießen. Früher wurde dort Wäsche gewaschen und dann zum trocknen hingelegt und heute eher an Drähten in der Sonne zum trocknen aufgehängt.

Auf den Dächern wurden Teppiche geschlagen und geschüttelt, wurden schon betagte Matratzen aus Schafswolle oder Scherwolle geöffnet und ausgenommen. Das belüften und aufschütteln war eine schwierige, aber notwendige Angelegenheit, um sich von Zeit zu Zeit von den Verdichtungen des Materials zu befreien die, vom Gewicht der Körper die auf ihnen lag,  entstanden waren. 

Aber der Nutzen und der Service eines Daches gehen viel mehr.

Ich hatte das große Glück, in der Stadt Sevilla geboren und aufgewachsen zu sein und in einem Haus mit privilegiertem Dach zu leben, umgeben von nahen Kirchtürmen der alten Klöster und Kirchen, die mit ihren Glocken die Zeit ansagten und die Gläubigen zu den religiösen Festen riefen.

Von meinem Dach konnte man hautnah, ohne Behinderungen, den Fluss Guadalquivir und seine beiden Ufer sehen. Am nahesten die Gleise von  Güter- und Personenzüge die pfeifend von einer Seite zur anderen fuhren. Dann das Wasser und das andere Ufer, die Kartäuser, umgeben von Unkraut, einladend zum Träumen mit tausendjährigen Wäldern, reif für Schwertern und Geheimnissen.

Meine ersten Kindheitserinnerungen des Daches: das fröhliche Toben mit meinen Brüdern, die Arme weit geöffnet, schlagen, und schlagen wie die Spatzen für den ersten Flug, Hetzen und Verstecken spielen  zwischen den Handtüchern und Bettwäsche die zum trocknen an der Sonne aufgehängt sind. Wir schlossen unsere Augen und ließen uns im angenehmen Gefühl komplett gestreichelt zu werden einwickeln, durchtränkt vom Takt und Geruch von sauberer Wäsche.

Auf diesem Dach sah ich meine ersten Sonnenuntergänge, träumte ich endlose Geschichten und Erzählungen, sah ich Wolken vorüberziehen in jeweils unterschiedlichen Figuren und Gesichtern. Meine Fantasie, meine Hoffnungen, meine ersten Gedanken... passierten auf diesem Dach der mir erlaubte nahe dem Himmel zu sein, dem Wasser meines Flusses und eines Weges, hin und zurück, trassiert von endlosen Eisenbahnschienen die Züge führten die, wenn ich Lust hatte, die ganze Welt befuhren um vollgeladen mit Abenteuern an den Ort ihrer Herkunft zurückzukehren.

Das Dach existiert heute nur noch in meiner Erinnerung, bleibt lebendig dort, wo es nicht vergessen werden kann.

Das Wort Dach wird nicht nur verwendet um diese Form von Abdeckung eines Gebäudes zu bezeichnen, sondern, bildlich gesprochen, den höchste Teil eines Individuums, den Kopf, Ort an dem der  schöpferische Geist das  Kostbarste, das Denken produziert. Daher  sagen wir meist, wenn jemand ein unklarer oder verrückter Gedanke hat:"Er ist schlecht im Dach“.

Ein herrlicher Blick auf das Stadtbild, ein Sockel von dem die warme Sonne in kalten Wintermorgen auf dein Gesicht streichelt. Frischer und entlastender Raum für die Ruhe des Körpers und der Seele in heißen Sommernächten, von wo wir uns ruhig in den Schlaf, unter  einem endlosen Himmel voller Sterne, begeben.

Jetzt lade ich Sie zu meinem Dach ein, wo sie Sensationen erinnern, wahrnehmen und destillieren können, verschiedenen Gedanken herstellen und austauschen können, kurz gesagt, einen Raum zum bauen, leben und bleiben.

Willkommen. 

 

© ®

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María José Aguilar

María José Aguilar 1964 in Sevilla, Spanien, geboren.

Von einem frühen Alter manifestiert Neigungen und künstlerischen Talente.

Sie wächst bewundern die großen Meister der Geschichte der Malerei, vor allem die spanischen Barock Malern wie Murillo, Velázquez, Zurbarán, Valdés Leal ...  diejenigen die bei ihr den ersten und großen Einfluss ausübten.

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